jetzt hat martin graf also eine distanzierung abgegeben. vom aufruhr-verlag, wo man nazi-devotionalien bestellen kann und dessen angebote seine mitarbeiter in anspruch genommen haben (und von "nazischund und -dreck" im allgemeinen). von seinen mitarbeitern hat er sich übrigens nicht distanziert. und die regierungsparteien auf bundesebene zeigen sich damit zufrieden. ich muss sagen: ich bin damit nicht zufrieden, gar nicht. es reicht nicht, sich von einem verlag zu distanzieren. es geht in einer demokratie darum, beim nationalsozialismus überhaupt nicht erst anzustreifen, wie bundespräsident heinz fischer in einem interview im heutigen standard treffend sagt. und daher vermisse ich eine andere distanzierung, und zwar von meiner partei martin graf gegenüber (von der övp erwarte ich gar nix - josef pröll hat ja im grunde genommen sogar eine wahlempfehlung für graf als 3. nationalratspräsident abgegeben). dass der mann ein unklares verhältnis zur österreichischen (und deutschen) geschichte hat, war ja eigentlich immer klar (zitat "ich bleibe im lebensbund olympia"). daher hätte er nie gewählt werden dürfen.
antifaschismus ist ein grundpfeiler der sozialdemokratischen bewegung. daher müssen wir in dieser beziehung immer aufstehen, wenn das dritte lager rülpser oder taten macht, die eine schande sind für unsere demokratie. und genauso müssen wir aufstehen, wenn diese leute von der övp hofiert werden (und auch wenn es diskussionen zu einer "änderung der taktik" von sp-vertretern auf bundesländerebene gibt).
was die sozialdemokratie nämlich stark und mich stolz macht, ein teil von ihr zu sein, ist die stärke ihrer visionen für eine welt, die besser ist. gerade was unsere werte anlangt, sollten wir daher klarheit ausstrahlen.
das absolute negativbeispiel zum thema klarheit in der sozialdemokratie bietet übrigens gerade unsere schwesterpartei in deutschland. bernd ulrich formuliert das in der aktuellen ausgabe der zeit sehr großartig: "wenn man die diesjährige Wahlaussage der SPD in einem Satz zusammenfassen sollte, so müsste der sehr lang sein und etwa so lauten: Wir wollen mit der Linkspartei nur in jenen Ländern koalieren, wo sie weder klein und sektiererisch ist noch größer und stärker als wir, gar nicht aber im Bund außer in der Bundesversammlung, stattdessen wollen wir eine Koalition der unklaren Union mit der bös-neoliberalen FDP unbedingt verhindern und lieber selbst mit der bös-neoliberalen FDP koalieren sowie mit den Grünen."
vom nachbar lernen. nicht immer ein erfolgskonzept....