
Anlässlich des heutigen 99. Frauentags habe ich für mich eine Premiere absolviert. Denn ich habe diesen Tag genutzt und den Dialog mit den Männern in der OMV gesucht. Obwohl nämlich Frauen so gut ausgebildet sind wie nie zuvor und so stark im Berufsleben stehen wie nie zuvor, erledigen sie immer noch zu 2/3 die Hausarbeit und die Kinderbetreuung. Das heißt, an der Verteilung der unbezahlten Arbeit hat sich in den vergangenen 15 Jahren kaum etwas verändert. Noch immer waschen nur 15 Prozent aller Männer die Wäsche, nur elf Prozent bügeln diese, immerhin schwingen 32 Prozent hie und da den Kochlöffel.
Ich habe mit den Männern diskutiert, weil es mich interessiert, wie Sie es mit der Hausarbeit und der Kinderbetreuung halten. Was ist ihr Anteil, wie viel leisten sie zuhause und wie geht es ihnen dabei? Denn für Väter ist es noch nie so leicht gewesen, sich etwa die Pflichten in der Kinderbetreuung zu teilen. Das einkommensabhängige Kindergeld wird sicher dazu beitragen, das sich noch mehr Väter partnerschaftlich beteiligen. Und ich möchte jene Männer auch darin bestärken, die längst im neuen Jahrtausend angekommen sind und sich die Hausarbeit und die Kinderbetreuung partnerschaftlich teilen. Gerade das einkommensabhängige Kindergeld macht es möglich, ohne nennenswerte finanzielle Einbußen in Karenz zu gehen.
Die fortschrittlichen Männer sind allerdings noch bei Weitem in der Minderheit. Daher will ich diesen Tag auch nutzen um eines ganz klar zu sagen. Ohne weitere gesetzliche Maßnahmen oder Quotenregelungen wird es nicht gehen. Die Chancengleichheit der Frauen ist eine Frage der Gerechtigkeit. Dafür werde ich bewußt bei zielgenauen Maßnahmen die Schrauben weiter anziehen. Ich werde nicht locker lassen, wenn es darum geht, in den österreichischen Betrieben die durchschnittlichen Löhne und Gehälter von Frauen und Männern offen zu legen. Nur wenn Unternehmen für die jeweiligen Positionen und Funktionen die Durchschnittsverdienste von Frauen und Männern betriebsintern veröffentlichen müssen, kann es gelingen, dass Frauen für die gleiche Arbeit auch das Gleich bezahlt bekommen wie Männer.
Wo die Schrauben in jedem Fall anzuziehen sind, ist die Frage der Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft. Ich werde nicht locker lassen, wenn es darum geht, 40 Prozent der Aufsichtsräte in der Privatwirtschaft mit Frauen zu besetzen.
Ich weiß, dass sich viele Männer mit der Offenlegung der Durchschnittsverdienste und mit Quoten schwertun. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es solche Schrauben braucht, um etwas für die Frauen weiterzubringen.
Ich möchte nun den Dialog mit den Männern intensivieren:Wir können nur gemeinsam mit solidarischen Männern die Situation von Frauen verbessern und damit die Gesellschaft verändern.

Gabriele Heinisch-Hosek
schreibt am 2010-03-08 18:02:12